Sud 32Champagnerflasche

Überschrift - Bière de Garde

Zeichnung eines Gutshofs


  

32 Etikett No32
Biertyp trad. Landbier
Bierart - obergärig -
Stammwürze°P 15,4°
Alkohol%Vol 6,5%
Brautag 8.9.18
Anstich 6.10.18
Ursprung Nordfrankreich
Malze  
Hopfen  Saazer
Geschmack malzig süffig, angenehme Hopfenbalance
Trinktemp.°C 10°
   

 

Was für ein Bier ist das?...

 

Etikett - Biere de Garde JenlainDas Bière de Garde gehört in die Gruppe der kräftigen, "obergärigen Lagerbiere" und ähnelt in diesem Sinn dem im Vorjahr gebrauten Bière de mars – steht aber anders als dieses einem "echten" Märzenbier insofern noch etwas näher, als es wie dieses traditionell zu Saisonende gebraut wurde, um haltbares Bier für die braufreie warme JahreszeitFrau mit Bierglas am StrandLeider deckt sich diese (frühere) brautechnische Notwendigkeit nicht mehr so ganz mit den heutigen geschmacklichen Anforderungen – als Durstlöscher in der Sommerhitze gibt man wohl eher einem leichteren Bier den Vorzug, während die kräftigen mehr in die kühleren Jahreszeiten zu passen scheinen... vorrätig zu haben.
Und so war auch die Bezeichnung biére de garde (frz.: gardé – erhalten, aufbewahren) ursprünglich eher weiter gefasst: ganz allgemein als Zusatzbezeichnung verschiedener Biere, um sie als derartige "LagerbiereWobei sich die Bezeichnung dann wohl auch weniger auf den Aspekt der "Lagerbarkeit" des Bieres bezog, sondern viel mehr auf die während der Lagerung ausgebildeten Qualitäten – insbesondere die immer wieder hervorgehobenen "weinigen und säuerlichen" Geschmacksnoten... " zu kennzeichnen.

alte Landkarte der UrsprungsregionSeinen Ursprung hat dieser Stil in einem Bauernbier – einem "Farmhouse-Ale"Farmhouse-Ales im eigentlichen Sinn sind Biere, die in einer langen, regionalen Brautradition stehen, vor Ort in kleinen, lokalen Hausbrauereien nach historisch überlieferter Tradition aus regional verfügbaren Rohstoffen hauptsächlich für den Eigenbedarf handwerklich gebraut wurden (bzw. so auch heute noch werden!) – und zwar mit Gerätschaften, die über Generationen hinweg weitergegeben und den Erfordernissen angepasst wurden. Im Prinzip ist nicht zwingend, dass dies auf einem "Bauernhof" geschah – liegt aber wohl mehr oder weniger in der Natur der Sache...
Heutzutage wird der Begriff eher als Marketing-Instrument für ländliche Kleinbrauereien verwendet, meint dann aber nicht zwingend das Gleiche...
– ganz im Norden Frankreichs (und ist somit regional und stilistisch auch mit dem belgischen Saison-Bier verwandt). Das Bier wurde seinerzeit auf den Höfen gebraut, um den Eigenbedarf zu decken und die Arbeiter zu versorgen – in den kühlen Monaten wesentlich leichter zum frischen Gebrauch, erst zum Ende der Brausaison dann in der kräftigen Version, um es einlagern zu können.
Genau dieses kräftige "bière de garde" hatte sich dann aber bereits im 19. Jh als eigenständige Sorte etabliertSo besagt eine Quellen des 19. Jahrhunderts aus Lille:
„Sechs bis acht Monate im Holzfass reift die Spezialität, bevor sie einen weinigen Charakter annimmt, den die Kunden sehr zu schätzen wissen“ 
und Eingang ins Portfolio professioneller Brauereien gefunden.

Um die Haltbarkeit zu gewährleisten, mag der Alkoholgehalt 8% oder mehr betragen haben – wirklich viel ist über damalige Rezepturen allerdings nicht überliefert.
brauner KandisTrotzdem – nicht immer überstand das Bier die lange Lagerzeit: manche Quellen sprechen von säuerlichen Noten und davon, dass Kandiszucker verwendet wurde, um diese zu überdecken. Heute gehören dessen KaramellnotenWobei der Kandis das Bier heutzutage aber nicht mehr süßt! Anders als früher wird der Zucker ja nicht beim Ausschank hinzugefügt, um evtl. Fehler zu kaschieren, sondern bereits bei der Herstellung – er wird also während der Gärung von den Hefen nahezu vollständig in Alkohol verwandelt. Erhalten bleiben im Bier also nur dessen "Aromen"...
Süße im Bier stammt hingegen vor allem von durch die Malzenzyme gebildeten langkettigen Zuckermolekühlen, die von der Hefe nicht vergoren werden können – deren Anteil lässt sich durch die Temperaturführung beim Maischen steuern.
jedenfalls in das Geschmacksprofil dieses Biers!

Auch dieser Biertyp fristete nach der Jahrhundertwende allenfalls noch ein Nischendasein und starb mit den Folgen des Ersten Weltkriegs praktisch ganz aus. Ganz wenige kleine Brauereien brauten es ab den 20er Jahren erneut – dabei ist allerdings wohl umstritten, inwieweit dieses neu aufgelegte Bier seinen Vorgängern noch genau glich. Nach wie vor prägen jedenfalls komplexe Malzaromen und Karamellnoten sowie eine zurückhaltende Bitterhopfung den Stil dieses bernsteinfarbenen, mal dunkleren mal helleren Bieres.

Fortan wurde dieses Bier in eher kleinen Stückzahlen, dann aber oft als edle, flaschengereifte Spezialität stilvoll in SektkorkenChampagnerflaschen vermarktet – was von da ab irgendwie auch als Markenzeichen dieses Biertyps galt. In den 70er Jahren wurde es dann von der Studentenschaft in Lille neu entdeckt, zum Kult erhoben und fand seinen Weg zurück in Brauwelt.

Uns und unseren Gästen hat das Bier so gut geschmeckt, dass wir es auf vielfach geäußerten Wunsch – in einer allerdings leicht abgewandelten Version und einer größeren Menge – nun ein zweites Mal gebraut haben.

trenner Image taken from page 346 of The Works of Alfred Tennyson etc 11060781794

Diesmal brauten wir ganz ohne Gäste...

Gruppenfoto Brautag

 

 

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